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Wenn er da so auf der Bühne steht, schneidig im Anzug, leger immer eine Hand in der Hosentasche, souverän in jeder Bewegung, dann könnte man - rein optisch - durchaus geneigt sein, Jürgen Trittin für einen Vertreter zu halten. Einen Vertreter der Parteien, die der Bundesvorstand der Grünen derzeit im nordrhein-westfälischen Wahlkampf hart bekämpft.
Mehr als 4.000 Unterschriften, etwa 500 schriftliche Einwendungen, über 30 Bürgeranträge und unzählige Leserbriefe: Dass all diese kritischen Stellungnahmen das „Ja“ der Ratsmehrheit zur Zentrumserweiterung Kinderhaus nicht relativieren konnten, darauf reagieren die Mitglieder der Initiativgruppe um Sprecherin Hannelore Lewejohann mit Unverständnis und Empörung.
Münsters Grüne blicken mit Zuversicht auf den 9. Mai: Damit die Landtagswahlen ein Erfolg werden, füllen sie das Wahlkampf-Programm mit viel Prominenz, basisnaher Organisation und einer – natürlich – farblich angepassten Couch.
Seine letzte Ratssitzung: Als Geste großer Wertschätzung spendeten alle Fraktionen Berthold Tillmann minutenlang Standing Ovations. Einer von denen, der da zu Ehren des OB aus ehrlichem Empfinden kräftig mitklatschte, war Hery Klas, Fraktionschef der Grünen.
Überall, landauf landab, beklagt man politisches Desinteresse. Das Gegenmittel, so heißt es stets, sei Bürgernähe, das Recht auf Mitsprache für den Einzelnen. „Mehr direkte Demokratie in Münster“ lautet daher der Leitspruch jener Kampagne, mit der Münsters Grüne zu mehr Mitbestimmung aufrufen.
Bis zu den Europawahlen sind es nur noch zwei Tage, da heißt es für die Parteien, Präsenz zu zeigen. Einen hochrangig besetzten Endspurt legten heute (Freitag) Münsters Grüne aufs Parkett: Gemeinsam mit dem Bundesvorsitzenden Cem Özdemir erläuterten sie ihr Programm für ein zukunftsfähiges Europa.
Am Wochenende diskutierten Vertreter der münsterschen Grünen das Wahlprogramm der Partei für die Bundestagswahl 2009 auf der Delegiertenkonferenz im Berliner Velodrom. „Wir sind mit der Debatte um die inhaltlichen Aussagen hoch zufrieden", erklärte Briita Hegemann, Sprecherin des münsterschen Kreisvorstandes, nach Abschluss der Beratungen.
Die Grünen, ansonsten ein eher diskussionsbewusstes Völkchen, verspürten am Abend auf komplizierte Sachverhalte anscheinend nur wenig Lust. So folgten die Mitglieder dem beschwörenden Appell ihrer scheidenden Sprecherin Josefine Paul, „kein neues Fass“ aufzumachen.
Aus die Maus für einen Discounter, in den Fall ist es ein Lidl-Markt, auf dem ehemaligen Guttermann-Gelände. Wie die Koalitionspartner CDU und FDP soeben erklärten, werden sie der dafür notwendigen vorhabenbezogenen Änderung des Bebauungsplanes nicht zustimmen. Keine Mehrheit für einen geänderten Plan, kein weiterer Supermarkt - das ist die Gleichung.
Bildung, Klima, Verkehr, soziale Gerechtigkeit - unter diesen Vorzeichen widmen sich die Grünen im Rat dem Etatentwurf 2009. Ein Zahlenwerk mit „miserablen Kennziffern“, so Fraktionssprecher Hery Klas, und ein mit „alarmierenden 40 Mio. Euro“ notorisch untergedeckter Haushalt.